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„Die höchste Erkenntnis zu der man gelangen kann, ist die Sehnsucht nach Frieden.“

Sehr geehrte Vertreter der Kirche,
sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Kolleginnen und Kollegen des Stadtrates und
der Verwaltung, verehrte Gäste!

Namens der Stadt Forchheim und in Vertretung von Herrn Oberbürgermeister Dr. Uwe Kirschstein darf ich Sie zum heutigen Gedenken aus Anlass des Volkstrauertages hier auf dem Friedhof Reuth herzlich begrüßen und willkommen heißen. „Die höchste Erkenntnis zu der man gelangen kann, ist die Sehnsucht nach Frieden.“ Dieses Zitat von Albert Schweitzer, dem Friedensnobelpreisträger 1952, möchte ich im Gedenkjahr an die Schrecken des 1. Weltkrieges ganz bewusst an den Anfang stellen. Die Sehnsucht nach Frieden, nach Frieden in der Welt, aber auch nach Frieden mit sich selbst, trägt wohl jede und jeder von uns in seinem Herzen. War die Sehnsucht nach Frieden zwischen 1918 und 1939 groß genug?
Und wie sieht das heute aus?

„An Frieden kann man sich so gewöhnen, dass man ihn nicht mehr zu schätzen weiß“ kommentierte der Tagesspiegel letzte Woche. Und, da komme es zur rechten Zeit, dass

Europa u.a. an die Schlachtfelder von Verdun erinnert werde: Vor genau einer Woche gedachte die Welt an das Ende des 1. Weltkrieges vor 100 Jahren. In den Völkerschlachten zwischen 1914 und 1918 ließen 17 Millionen Menschen ihr Leben, die großen Kriegsgräberstätten in vielen Teilen Europas zeugen davon. Am 11. November 1918 kam diese Katastrophe an ihr Ende. Aber: Schon gut 20 Jahre später tobte der 2. Weltkrieg und kostete ein Vierfaches an Menschenleben. Wir denken heute an die Opfer von Gewalt und Krieg, an Kinder, Frauen und Männer aller Völker. Wir gedenken der Soldaten, die in den Weltkriegen starben, der Menschen, die durch Kriegshandlungen oder danach in Gefangenschaft, als Vertriebene und Flüchtlinge ihr Leben verloren. Wir gedenken derer, die verfolgt und getötet wurden, weil sie einem anderen Volk angehörten, einer anderen Rasse zugerechnet wurden, Teil einer Minderheit waren oder deren Leben wegen einer Krankheit oder Behinderung als lebensunwert bezeichnet wurde. Wir gedenken derer, die ums Leben kamen, weil sie Widerstand gegen Gewaltherrschaft geleistet haben, und derer, die den Tod fanden, weil sie an ihrer Überzeugung oder an ihrem Glauben festhielten. Über Jahrhunderte gehörten Kriege zu Europa dazu, im 20. Jahrhundert brach das alte Europa zusammen. Mit der Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl im Jahre 1952 begann das Friedensprojekt Europa. Blickt man zurück, so gab es noch nie in der Geschichte Europas so lange Frieden am Stück, jetzt bereits seit 70 Jahren. Streit wird heute anders gelöst, wie EUKommissionspräsident Jean-Claude Juncker sagt: „Manchmal streiten wir. Aber wir streiten mit Worten. Und wir lösen unsere Konflikte am Verhandlungstisch, nicht in Schützengräben.“ Über eine halbe Milliarde Europäerinnen und Europäer leben heute in Frieden und Freiheit, Frieden gilt vielen als Selbstverständlichkeit. Und das in einer Welt, in der rings um uns herum über 40 bewaffnete Konflikte schwelen, die jedes Jahr mindestens 170.000 Menschenleben fordern
Wir trauern deshalb heute auch um die Opfer der Kriege und Bürgerkriege unserer Tage, um die Opfer von Terrorismus und politischer Verfolgung,
um die Bundeswehrsoldaten und anderenEinsatzkräfte, die im Auslandseinsatz ihr Leben verloren. Wir gedenken heute auch derer, die bei uns durch Hass und Gewalt gegen Fremde und Schwache Opfer geworden sind. Unser Leben steht im Zeichen der Hoffnung auf Versöhnung und Frieden unter den Menschen und Völkern.
Aber Hoffnung allein reicht nicht!
Versöhnung und Frieden unter den Menschen fängt bei jeder und jedem Einzelnen von uns und in unserer nächsten Nähe an, erfordert eine überzeugte Haltung und ist Arbeit zugleich. Wie begegne ich meinen Mitmenschen, meinen KollegInnen und Nachbarn – gleich welcher Hautfarbe, Nationalität oder Religion sie sind, und wie trete ich für sie ein, wenn sie diskriminiert oder gar bedroht werden? In Zeiten zunehmender Fremdenfeindlichkeit, in Zeiten, in denen der Chauvinismus im Bundestag und vielen Länderparlamenten vertreten ist und sich zunehmend lauter und öffentlicher äußert, sind wir alle gefragt, unsere demokratischen und humanistischen Werte zu leben und zu verteidigen, wann und wo immer es nötig ist! Denn das ist die Voraussetzung für dauerhaften Frieden in unserer Gesellschaft und international. Gedenkfeiern wie diese zum heutigen Volkstrauertag, das Gedenken an die Toten und das Erinnern an die Schrecken des Krieges sind wichtig – damit wir innehalten, uns den Frieden, den wir heute genießen dürfen, bewusst machen und unsere Verantwortung für den Frieden unter den Menschen tagtäglich bewusst wahrnehmen. Für die Gestaltung dieser Gedenkfeier danke ich im Namen der Stadt Forchheim der Blaskapelle Reuth, dem Männerchor Eintracht Reuth, der Ehrenabordnung der Soldatenkameradschaft Reuth und den Fahnenträgern der Reuther Vereine. Vielen Dank! Ich wünsche Ihnen allen noch einen friedlichen und erholsamen Sonntag!

Tags: Reden, AP

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