Gastbeitrag von Klaus Schwanda

Ganz anders als in seinen "Liebesgedichten" beschäftigt sich der Forchheimer Lyriker Klaus Schwanda in seinen neuesten Werken mit den unerträglichen Zuständen, denen wir uns täglich ohnmächtig gegenübersehen. Auch wenn wir alles tun wollen, um den Hass aus der letzten Zeile nicht entstehen zu lassen, veröffentlichen wir eines seiner Gedichte hier als Gastbeitrag.

Keine Worte ! ?
oder
Wutgefühle nachts um halb fünf

 


Völkermord – totgeschwiegen.
Lässt sich da Eine das Wort verbieten,
um Migranten zu halten in fremden Gebieten?
Um Geld zahlen zu d ü r f e n,
damit Fremde die Probleme hüten?
Ein Anderer fand,
Abdel Fattah Al-Sisi
sei ein beeindruckender Präsident.
War diesem Herrn denn nicht bekannt,
dass Zensur, Unterdrückung und Folter
herrschen in dem Land.
Keine Worte ! ?


Wollte er den ägyptischen Staatschef nur hofieren,
oder das Unrecht gleich legitimieren?
War dies vielleicht der Grund,
dass er kürzlich abserviert?
Dies ist aber nicht verlässlich,
da nicht nur Wähler,
sondern auch Politiker
sehr vergesslich.
Allein den Grünen ist zu danken,
die hierzu klare Worte fanden.
In manchen Ländern fast täglich ein Ehrenmord.
Systematische Vergewaltigungen
als strategische Kriegswaffen eingesetzt.
Ist denn niemand darüber entsetzt?
Keine Worte ! ?


Mütter und Töchter geschunden –
erholen sich nie von ihren Wunden.
Frauen und Mädchen geschändet –
keiner, der sich dagegen wendet.
Menschliche Körper werden entehrt.
Ist da keiner, der dies verwehrt?
Offenbar alles keines Wortes wert ! ?
Mädchen verstümmelt –
zur Frau gemacht.
Keine Einzige
im Leben jemals wieder lacht.
Unerträgliche Schmerzen,
seelische Pein.
Es bleibt nichts andres,
man kann nur noch Schrei’n –
vor Wut.
Keine Worte ! ?


Missbrauch von Kindern hierzuland‘ kriminalisiert,
andernorts legalisiert.
Sind die Kinder erst ehelich gebunden,
ist die Staatsgewalt geschwunden.
Unsagbares, lebenslanges Leid,
das diesen Kindern zugefügt –
von niemandem wirklich je gerügt.
Auch bei uns ist es hierzu still,
weil man sich
um Fremde nicht kümmern will.
Warum meldet sich fast keiner zu Wort?
Ist denn die Humanität schon bei allen fort?
Ist es nur der Unverstand,
dass man bisher keine Worte fand?
Sind es wirtschaftliche Zwänge?
Oder in den Köpfen
die inhaltsleere Enge?
Keine Worte ! ?


Beschämend –
aber letztlich wohl nur
eine Deutung in Sicht:
„Geld stinkt nicht“.
Unmöglich
von diesen Gedanken loszulassen –
alle kann und muss man dafür
hassen ! ! !