Stadträte

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Stellungnahme zur Bewerbung - Landesgartenschau

annette 150 190von Annette Prechtel, Fraktionsvorsitzende der FGL


Mehr Biodiversität, Vernetzung der innerstädtischen Grünflächen, mehr Grün in Forchheim – so soll für die Landesgartenschau 2026 in Forchheim geworben werden.

Man könnte meinen, diese Slogans entstammten einer unserer Wahlkampfbroschüren - und, das darf ich für unsere Fraktion sagen: Diese Ziele unterschreiben wir zu 100 %.

Lassen Sie mich aber mit einem bildhaften Vergleich erläutern, warum unsere Fraktion trotzdem mehrheitlich die Bewerbung für eine Landesgartenschau 2026 nicht unterstützen wird.

Wir stellen uns das so vor:

Sie haben eine Wohnanlage ...

aus mehreren Mehrfamilienhäusern. Viele Familien, Paare, Singles wohnen in diesen Häusern. Die Lage der Häuser ist schön, sie bieten den Mietern relativ gut ausgestattete Wohnungen, ansprechende Außenanlagen und sogar ein Schwimmbad.

Seit Jahren ist allerdings klar, dass die Immobilie in vielen Teilen sanierungsbedürftig ist. Die Heizkosten sind hoch und im Sinne des Klimaschutzes müssten die Gebäude dringend energetisch saniert werden. Die Brücken und Wege in der Wohnanlage müssten auch dringend saniert werden – hierzu fehlt aber seit Jahren das Geld und die Sanierungen werden von Jahr zu Jahr verschoben, oder immer nur in kleinen Stücken umgesetzt. Auch das Schwimmbad ist generalsanierungsbedürftig. Die Außenanlagen könnten schöner sein, aber die Bewohner sind eigentlich damit zufrieden.

Nun kommt die Hausverwaltung auf die Idee, Gartenfestspiele in der Wohnanlage zu veranstalten und hierfür einiges an Geld in die Hand zu nehmen, um vorher die Außenanlagen schöner zu gestalten, miteinander zu verbinden und auch neue Brücken und Wege zu bauen.
Für 50 - 60 % der Investitionen soll es Zuschüsse geben; eine hohe Summe allerdings sollen die Wohnungseigentümer selbst bezahlen.
Schon in der Vorbereitungsphase auf die Festspiele wird das zusätzliche Arbeitspensum enorm sein; nach den Festspielen müssen die neuen Außenanlagen weiterhin gepflegt werden, was zusätzliches Personal erfordern wird. Schon jetzt gibt es aber Stimmen, dass die Kapazität des Personals ausgereizt ist.
Wo das Geld, das die Eigentümer aufwenden müssen, herkommen soll, ist absolut ungeklärt, da ja schon jetzt das Geld für nötige Investitionen fehlt.
Sicher gibt es Mieter, die sich auf/über die neuen Außenanlagen und die Festspiele in der Wohnanlage freuen. Und sicher, wird die Wohnanlage im Freien durch die Umgestaltung für die Festspiele und die vielen BesucherInnen auch gewinnen.

Aber um welchen Preis?

Es gibt die Mieter, die nicht zusätzlich zu den Mängeln im Haus auch noch Dauerbaustellen in ihren Außenanlagen haben möchten. Die sich nicht vorstellen können, wie der viele zusätzliche Verkehr in der Festspielzeit organisiert werden soll, wenn es schon über Jahre/Jahrzehnte nicht geschafft wurde, den Verkehr in der Wohnanlage besser zu organisieren und zu regeln.

Einige Eigentümer sind nicht überzeugt, dass die Finanzierbarkeit all der geplanten Maßnahmen für die Festspiele tatsächlich gegeben ist. Wo die nötigen Mittel für den zu leistenden Eigenanteil herkommen sollen, wurde von der Hausverwaltung nicht aufgezeigt. Ebenso wurde bei den zu erwartenden Kosten, das nötige zusätzliche Personal zur Pflege nach der Veranstaltung nicht erwähnt.

Offen ist auch, wann und wie denn dann all die Baustellen im und am Haus – die früher oder später sein müssen – finanziert werden sollen. Sollte kein zusätzlicher Geldregen über die Eigentümer hereinbrechen, kann das Ausrichten der Festspiele nur heißen, dass etliche dringend nötige Maßnahmen im Gebäudeunterhalt, bei der energetischen Sanierung, bei der Sanierung des Schwimmbades, beim Bau neuer Räume für Kinder, bei der Sanierung von Wegen und Brücken, die nicht im Festspielgelände liegen – dass all das auf die lange Bank geschoben werden muss.

Manchmal erfordert es Mut, sich auf das Wesentliche und Vordringliche zu konzentrieren und es ist unbequem und unpopulär, die Kür auf dann zu verschieben, wenn es verantwortbar und leistbar ist, oder auch nur in diese Richtung zu argumentieren.
Wir sind der Meinung, dass der Sanierungsstau der städtischen Liegenschaften, die Liste der Großbaustellen und Bedarfe im Bereich Kindertagesstätten, öffentlicher Personennahverkehr und Klimaschutz so groß und so lang sind, dass sich die Stadt Forchheim personell und finanziell dringend darauf konzentrieren sollte.
Missstände baulicher Art in der Innenstadt zu beseitigen und die Barrierefreiheit hier und dort zu erhöhen, benötigt das Einwerben von Städtebaufördermitteln – ob mit oder ohne Gartenschau. Eine Umgestaltung und Aufwertung wie z.B. die alte Zufahrt zum ehem. Krankenhaus etwa, ist über eine überschaubare Maßnahme mit Unterstützung durch Städtebaufördermittel leistbar.

Bei mehr Grün in der Stadt und einer Aufwertung der städtischen Grünflächen sind wir jederzeit dabei! Dass das Gartenamt neue Bäume pflanzen kann, ganz ohne Gartenschau, ist bewiesen – weiter so! Jedes Jahr eine schöne Anzahl neuer Großbäume und das Ansäen von Wiesenblumenmischungen auf/in städtischen Grünflächen – das würde Biodiversität schaffen, wäre gut für´s Stadtklima und für eine überschaubare Summe im städtischen Haushalt schon jetzt finanzierbar. Und: Die Stadt(verwaltung) könnte sich auf die ohnehin schwierig zu bewältigenden Kernaufgaben konzentrieren.