Leitartikel aus dem "Jubiläums Grashüpfer"

Die Forchheimer Stadtpolitik orientiert sich weder am Bürgerwillen noch an konservativen Werten!



Den alten Sprungturm des Freibads gibt es nicht mehr. Trotzdem ist er eines der besten Bilder für den Zustand der Forchheimer Kommunalpolitik.

Nicht, weil er bei vielen Forchheimerinnen und Forchheimern schöne Kindheits- und Jugenderinnerungen auslöst – das auch. Sondern, weil dieser gegen den Willen einer Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger abgerissene Turm für zweierlei steht: für einen Mangel an Demokratie und einen Mangel an echtem konservativem Denken in dieser Stadt.


Bürgerinitiative ...
Es hatte einen Bürgerentscheid gegeben für ein besseres Ganzjahresbad. Keine „Wir-sind-dagegen-Fraktion“, sondern eine Koalition verantwortungsvoll denkender Bürger unter grüner Beteiligung hatte die Idee des Ganzjahresbads seit langem vorangetrieben, wollte das Projekt aber schonender, ökologischer umsetzen. Mit ihrem überzeugenden Konzept, das auch den Erhalt des Fünfers vorsah, hatte sie die nötigen Unterschriften für den Bürgerentscheid schnell zusammen. Und eigentlich hatte sie den Bürgerentscheid auch haushoch gewonnen. Der Sprungturm wäre geblieben, die sportlichen Schwimmer hätten mehr Platz, der parkartige Charakter des Forchheimer Bades wäre schöner erhalten geblieben, das Defizit wäre niedriger …


... ausgetrickst
Durch einen miesen Trick

Ein Gastkommentar von Mike Wuttke

Die Linden am Paradeplatz und die Pappeln der Stadtwerke haben den Grünen in Forchheim in die Politik verholfen.
Erst belächelt, dann ignoriert und bekämpft, schließlich ernst genommen. So hat sich der politische Status der Forchheimer Grünen Liste in der Stadtpolitik gewandelt. Heute kann man sagen: Sie ist angekommen.


Leitgedanke Nachhaltigkeit Der Status manifestierte sich in respektablen Wahlergebnissen. Aber auch außerhalb des Rathauses findet die „grüne Stimme“ Gehör, wenn es um die Stadtentwicklung und das gesellschaftliche Miteinander geht. Wo der Leitgedanke grüner Politik, nämlich die ökologische, ökonomische und soziale Nachhaltigkeit konsensfähig werden soll.
Die „grüne Bewegung“, aus dem Protest gegen das erstarrte politische System geboren und von radikalen ökologischen und pazifistischen Forderungen untermauert, erreichte Forchheim 1984.


Von der Protestpartei ...
Eine „Grün-Alternative Bürgerliste” trat auf den Plan und eroberte einen Sitz im Stadtrat.

Die FGL als Motor der politischen Kultur. Transparenz und harter Oppositionsarbeit zwingen auch die etablierten Parteien zum Nachdenken.

Ein Interview mit Annette Prechtel

 

GRASHÜPFER: Auslöser für die Gründung der Forchheimer Grünen Liste war die Fällung von Bäumen für den Neubau der Stadtwerke. Unter den Aktiven sind noch heute viele Naturschützer. Sind die Forchheimer Grünen eine Baum- und Krötenschutzpartei?


ANNETTE PRECHTEL: So eng begrenzt war das schon zu Beginn niemals. Wir sind angetreten, um dem Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen eine politische Stimme zu geben. Dazu gehören die Stadtbäume ebenso wie der Artenschutz. Dazu gehört aber vor allem eine moderne Umweltpolitik, die den Flächenfraß stoppt, für eine echte Energiewende sorgt, den Verkehr umweltfreundlicher gestaltet und damit auch den kommunalen Beitrag zum Klimaschutz leistet.


Aber die klimapolitisch vergleichsweise wenig entscheidenden Pappeln waren schon der Anlass für Sie, sich politisch zu engagieren.


Ja, aber nur insofern, als mir da bewusst wurde, wie ignorant diese Stadt und ihr Oberbürgermeister gegenüber ökologischen Themen waren. Für mich als damals 20-Jährige war das unfassbar. Und das ist es im Grunde genommen noch heute. Die Mehrheit im Stadtrat nimmt die Verantwortung für Klimaschutz und Nachhaltigkeit einfach nicht wahr.


Hat sich denn politisch nichts geändert seit 1995? Es gab doch, nur ein Beispiel, immerhin einen Agenda-21-Prozess …


… und hat der etwa substantielle Ergebnisse gebracht? In anderen Städten vielleicht, aber nicht in Forchheim.

Ganz einfach: Die zwei Forellen sind zu flau, ein Elefant zu grau.

Der Grashüpfer ist genau so wie wir; er ist grazil, aber dynamisch, so wie wir auch sein wollen. Wir wollen etwas bewegen in Forch­heim, und mit unserem ,,Singen” hoffen wir, einige aufzuwecken, die noch in Denkmustem von gestern denken und handeln. Wir wollen ansingen gegen altes, verkommenes, neuen Schwung ins Rathaus bringen; und ,,Heu” schrecken.
Wir wollen Politik für Forchheim machen, strecken unsere Fühler aus, wenn es darum geht, wo es welche Probleme gibt, wo gehol­fen werden muss.
Und übrigens fanden Forscher heraus, daß Grashüpfer dem Pflanzenwachstum auf die Sprünge helfen. Denn sie setzen Proteine frei, die Pflanzen schneller wachsen lassen! (Geo­Heft 10/95) Natürlich wäre es super, wenn in Forchheim mehr Grün sprießen würde! Unter den Grashüpfem gibt es sowohl räube­rische Arten, als auch Vegetarier - wir wollen das mit unseren Mitgliedem auch so halten. Ebenso wie die meisten Grashüpfer-Larven schlüpfte auch die Forchheimer Grüne Liste im (vergangenen) Frühjahr. In welchem ,,Larvenstadium” wir uns befinden, ist schwer zu sagen.
Vier bis sechs davon macht man so durch. Häutungen, Diskussionen, schwere Arbeit. Auf jeden Fall werden wir uns auf die Hinter­beine stellen, Altemativen bieten und hof­fentlich den großen Sprung ins Rathaus ma­chen.
(Beitrag aus dem ersten Grashüpfer 1995)

Hier können Sie alle früheren Ausgaben des Grashüpfers anschauen.

 

... die Zeitung anlässlich des Jubiläums der  FGL, lässt sich hier als Ganzes anschauen!