... Antworten auf den NN-Fragenkatalog

 Straßenumbenennungen sind eine sensible Angelegenheit. Es geht ja nicht nur darum, ein Schild abzuschrauben und ein neues anzubringen. Damit verbunden sind Änderungen in Adressverzeichnissen, Stadtplänen usw. Auch die AnwohnerInnen einer Straße müssen die Änderung mitteilen und sich an den neuen Namen gewöhnen und sich möglichst auch damit identifizieren können. Insofern kommen Umbenennungen nur infrage, wenn gewichtige Gründe gegen den bisherigen Straßennamen sprechen.

Solche gewichtigen Gründe sind für uns gegeben, wenn die Gesamtvita eines Namensgebers von nationalistischem, völkischem, antisemitischem oder rassistischem Gedankengut geprägt ist. Auch bei anderen Verstößen oder klar geäußerten Einstellungen gegen die Menschenrechte (Basis: allgemeine Erklärung der Menschenrechte, 10.12.1948) kann jemand nicht Namensgeber für Straßen und Plätze in Forchheim sein. (Dies gilt für Forchheim als Teil der Metropolregion Nürnberg mit ihrer belasteten Vergangenheit besonders.)

Bevor die Diskussion über einzelne Straßennamen geführt wird, sollte es, wenn möglich, eine grundsätzliche Verständigung über diese Kriterien geben. Auf deren Basis sollte die Stadtverwaltung (ggf. unter Zuhilfenahme externer ExpertInnen) die Forchheimer Straßennamen komplett überprüfen. Der Ansatz, den die Nürnberger Grünen vorschlagen, scheint uns geeignet.

Gleichwohl liegt es bei den Fällen Watzlik und Gutenbrunn schon jetzt auf der Hand, dass

sie als Namensgeber nicht mehr tragbar sind.

Hans Watzlik gehört eindeutig zu den literarischen Repräsentanten des Nazi-Regimes. Er war nicht nur Heimatdichter, sondern ein publizierender Hitler-Verehrer, der zu den Wegbereitern großdeutscher Ideologie in Böhmen zählt. Dies ist wissenschaftlich belegt und müsste ohnehin nach 1945 offensichtlich gewesen sein. Es muss als schwerer Fehler gelten, ihm überhaupt je eine Straße gewidmet zu haben.

Adam-Müller Guttenbrunn ist ebenfalls nicht nur ein Heimatdichter der Banater Schwaben gewesen. Sein Werk und seine Arbeit als Theaterdirektor in Wien sind klar antisemitisch geprägt (auch dies von der Literaturwissenschaft belegt). Zur Zeit der Hitler-Diktatur hat er nicht mehr gelebt. Als geistiger Wegbereiter – und damit nicht tragbar - muss dennoch auch er gelten.

Bei der Umbenennung schlagen wir vor, erstens die genannten Kriterien (Menschenrechte) konsequent anzuwenden. Zweitens sollte sich die Auswahl neuer Straßennamen daran orientieren, was im Forchheimer Straßenbild unterrepräsentiert ist. Dies sind zuallererst Frauen: Nur fünf Straßen tragen einen weiblichen Namen. Was komplett fehlt, sind Frauen, die Frauenrechte und Gleichberechtigung vorangebracht haben. Auch verdiente Forchheimerinnen finden sich nicht.

Im Falle der Auswechslung rassistischer und nationalsozialistisch geprägter Straßennamen erscheint es uns auch sinnvoll, nach Namen zu suchen, die entweder mit dem Widerstand oder dem Kampf für die Menschenrechte verbunden sind oder Opfer des Naziregimes waren.

Wir möchten im momentanen Stadium der Diskussion nicht mit einzelnen Namen vorpreschen, sondern schlagen vor, dass ein parteiübergreifendes, mit externem Sachverstand angereichertes Gremium, eine Vorschlagsliste aus überregional bedeutenden und regionalen Namen erarbeitet. Diese Liste ist nicht nur für Namensänderungen wichtig, sondern sollte  auch bei der  Benennung neuer Straßen Anwendung finden.